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Körpersprache

27

Okt
2017

Mikroexpression in der Porträtfotografie

On 27, Okt 2017 | In Körpersprache | By julie

Die Porträt Aufnahmen mit Jane gingen locker und leicht von statten. Die Ausbeute war reichlich. Ihre Attraktivität, ihr gepflegtes Äusseres und ihr überaus guter Geschmack kommen auf allen Bildern zur Geltung. Bei der Durchsicht der Aufnahmen allerdings konnten wir subtile und doch wirkungsbestimmende Unterschiede feststellen. In die engere Auswahl gelangten diejenigen Bilder die einerseits natürlich der Klientin gefielen,  die aber auch dem Zweck und Ziel dienen sollten.

Welcher Ausdruck ist zielführend?

Jane interessierte sich für neue Fotoporträts auf Grund ihrer beruflichen Umorientierung und einer beginnenden Lehrtätigkeit. Ihre neue Aufgabe verlangt, dass sie als Lehrperson zugänglich wirkt, Kompetenz ausstrahlt und über genügend Autorität verfügt, um ihre Studentinnen und Studenten zum Erfolg zu führen.

Betrachten wir nun die Bilder in Bezug auf diese Ziele.

AB

In diesen beiden Bildern steht Jane. Im Bild A ist sie der Kamera zugewandt und neigt den Kopf nach vorne zum Betrachtenden hin. Die Verbindung zum Betrachter ist stärker und unterstreicht die soziale, aktive Persönlichkeit verglichen mit Bild B. Die Bewegung nach vorne zeigt eine interessierte und teilnehmende Person. Es gibt jedoch einen  Knackpunkt im Bild A. Der Blazer hat sich geöffnet und der Blick der Betrachtenden wird auf den Körper gelenkt, weg vom Gesicht. Besonders Männer tendieren bei einer jungen, attraktiven Frau auf die Brust zu sehen.

In Bild B ist das Lächeln etwas gepresst und die Lippen gespannter. Die rechte Hand wird vor die linke gehalten. Da die linke Seite des Körpers in der Spontaneität zum Zuge kommt, könnte dies als ein unbewusster Wunsch die Kontrolle über die Situation zu behalten, gedeutet werden oder zumindest die Emotionen zu schützen. Der Kopf ist vom Betrachtenden leicht weggeneigt. Beide Bilder zeigen die freundliche Persönlichkeit Janes. In B ist Sie lediglich  zurückhaltender und vorsichtiger.

CD

 

In diesen beiden Bildern sitzt Jane. In Bild C ‚öffnet sie die Türe‘ für die Betrachtenden, das heisst Ihre Lippen sind leicht geöffnet und entspannter.   Durch die angehobenen Augenbrauen  wirkt Ihr Blick offener, fast flirtend und anziehend. Jane scheint uns dadurch sehr nahe. (Wussten Sie, dass beim Flirten die Augenbrauen kurz hochgezogen werden, begleitet von einem Lächeln, einem tiefen Blick?)

Bild D zeigt eine klassische ‚Pose‘. Posen wirken generell distanzierter. Hier könnte der linke Arm  als Barriere zwischen dem Betrachter und Jane empfunden werden. Die rechte Hand hält das linke Handgelenk.

EF

Bild E war unser Favorit unter den Nah-Porträts. Sicher sehen Sie den Unterschied. Jane wirkt hier selbstsicher und geerdet. Dies hat mit der Zugewandtheit des Körpers zum Betrachter und dem leicht gesenkten Kinn zu tun. So stellt sie sich auf die gleiche Stufe wie wir. Zusätzlich erhalten die Augen auf diese Weise mehr Intensität. Auch die Fototechnik hilft. Die bewusst eingesetzte Unschärfe im Bereich des Rumpfes, bringt das Gesicht zum Leuchten.  Auf dem Bild wirkt sie natürlich, freundlich aber trotz Ihrer Feinheit auch sicher und stark -kurz unaufhaltbar!

Der Unterschied im Bild F ist die Spannung im Mund, wie auch im Hals. Der geschulte Betrachter sieht, dass die Mundwinkel weniger nach oben weisen. Der Mund wird mehr ‚breitgezogen‘. Vergleichen Sie mit dem weichen Lächeln von Bild E! Die leichte Spannung im Hals im Bild F  ist das Resultat der Bewegung des Kopfes nach vorne, während der Körper dieser Bewegung nicht  folgen will. Zwei sich voneinander wegbewegende Körperteile deuten auf einen Konflikt hin zwischen dem Wunsch/ Impuls einer Person etwas zu tun und dem was eine Person tatsächlich tut, weil sie glaubt, die an sie momentan gestellten Erwartungen erfüllen zu müssen. Nicht einfach zu verstehen! Im Beispiel könnte man es so interpretieren, dass Jane zwar den Anforderungen der Situation  (Porträt- Fotositzung) immer noch gerecht werden möchte, aber  eventuell eine leichte Müdigkeit verspürt und sich lieber entspannen und anderem zuwenden möchte. Letztlich kann die Interpretation nur von ihr bestätigt oder widerlegt werden.

Was für die richtige Auswahl wichtig bleibt, ist das was die Aufnahmen zum Ziel haben! Das Ziel Jane’s Eignung für die Rolle als Lehrperson aufzuzeigen, muss ausschlaggebend sein.  Dabei ist die Wahrnehmung von feinsten Unterschieden, die den Betrachter letztlich in die eine oder andere Richtung beeinflussen, das was eine professionelle Fotografie und Beratung ausmacht. 

Wie können wir unseren Ausdruck ändern?

Unser Ausdruck, im Kleinen wie im Grossen, ändert sich fortlaufend und ständig, bewusst aber mehrheitlich unbewusst. Emotionen zeigen sich unmittelbar im Gesicht und in der Körpersprache und können nicht vermieden werden. Während der Fotoaufnahmen wäre es nicht angebracht, der Person vorzuschlagen, was sie fühlen soll. Verbale Führung durch Worte wie ‚weiche Augen‘ und ‚den Atem fliessen lassen‘ oder ‚zu sich zurückkommen‘ genügen oft, um von einer ‚Haltung‘ wegzuführen.

Probieren Sie es selbst mal aus. Stellen Sie sich vor den Spiegel und beobachten Sie die Feinheiten Ihres Gesichtsausdrucks. Lassen Sie den Blick weicher werden. Wie verändert sich Ihr Ausdruck wenn Sie den Atem fliessen lassen? Wenn die Lippen entspannt sind? Wenn Sie in kleines Lachen in den Augen erscheinen lassen?

Dieser Artikel wurde verfasst von Juliette Fong, Porträtfotografin (www.juliettefong-portraits.ch) und Antoinette Anderegg, Expertin für nonverbale Kommunikation seit 2006 (www.nonverbales.ch).

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