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Hier erscheint der Witz des Tages! Ohne Witz.

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Körpersprache

08

Mrz
2017

Wie ein kleines Mädchen deutlich seine Meinung zeigt!

On 08, Mrz 2017 | In Körpersprache | By Antoinette Anderegg

Prinzessin oder Super-Held?

Riley, das ca. 5 jähriges Mädchen steht im Spielzeugladen vor der Abteilung für ‚Mädchenspielzeuge’ und wird darüber befragt was sie davon hält.

Schon allein die Körperspannung und der etwas schrille Ton ihrer Stimme sagt uns- Alarm, – da ist ‚Feuer im Dach’.

Meist selbstbewusst und vor allem ausdrucksstark zeigt sie, ohne es explizit auszusprechen, was sie vorzieht zu sein, Prinzessin oder Super-Held und was sie davon hält in ein Stereotyp gedrängt zu werden (They try to trick the girls into buying pink stuff…). Dabei wird auch klar, wie ohnmächtig sie sich fühlt und wie viel Kraft sie braucht sich dagegen aufzulehnen.

Seht Euch das Video in seiner ganzen Länge an. Gleich anschliessend habe ich für Euch 6 Momente ausgeschnitten, lasse sie im langsamer und ohne Ton laufen. Und ich weise jeweils auf die Aussagen der Körpersprache hin. Körpersprache, die auch bei jedem Erwachsenen zu beobachten sind und dasselbe bedeuten.

  1. Angesichts der Macht von Klischees und der entsprechenden Einflussnahme einer ganzen Industrie ist Rileys Wut verständlich. So betont sie ihre Aussagen mit wütendem Schlagen. Nicht zufällig schlägt sie sich dabei auf ihren Kopf, genauer gesagt mit ihrer rechten Hand auf ihren rechten Oberkopf. Der Kopf ist Sitz des kognitiven Verstehens. Wer sich rechts am Kopf kratzt, dem fällt es schwer zu etwas zu verstehen, da ist keine Lösung in Sicht.* (Das Schlagen ist hier zusätzlich Ausdruck einer stark negativen Emotion. ) Natürlich könnte durchaus hier noch die Vorstellung der Krone der Prinzessin mitspielen. Allerdings bekräftigt das Hochschieben und etwas nach vorne Drücken der Unterlippe, die Hypothese des Nichtverstehens. Gepaart mit einem Schuss Trotz. Mit dem kurzen Anheben des Kinns gibt sie der Aussage noch mehr Gewicht und zeigt mit der Geste Selbstbehauptung.

*Wenn es sich nicht um das Zeigen zeitlicher Abläufe handelt, so drückt die rechte Körperhälfte das aus, was mit den anderen, der Aussenwelt zu tun, das was sich links ausdrückt hat mit dem ICH zu tun. Der Grund dafür liegt in der Anlage unseres Gehirns in zwei unterschiedliche Hälften mit zum Teil unterschiedlichen Aufgaben.

  1. Die nach oben gezogenen Schultern zeigen Ohnmacht. Dann weist sie nach links „Sowohl Mädchen wollen Helden sein“ (Sie ist ein Mädchen), um dann nach rechts zu weisen „Wie auch Knaben wollen Helden sein.“ (Die Knaben sind die anderen).
  1. Heftig ist ihre wegwerfende Handbewegung nach unten im Moment in dem sie vom „Pink stuff“ („Das rosa Zeug“) redet. Sie führt diese mit der rechten Hand aus. Spätestens hier wird klar was sie davon hält. Nun – hier kommt eine weitere Bedeutung von rechter und linker Körperhälfte hinzu: Was ich nämlich nicht mag, das ist mir ferner. Da die linke Seite die ICH Seite ist, positioniere ich rechts was mir nicht passt. Da ihr Blick dabei nach links geht, könnte es sein, dass sie dieses „Pink stuff“ mit einer Erinnerung verbindet.
  1. Schnell wechseln die emotionalen Ausdrücke Rileys. Hier zieht sich die Oberlippe als Ganzes nach oben, dabei rümpft sie ihr Näschen. Das genau im Moment als sie sagt: „ (stuff)that boys want to buy, right?“ (Was die Knaben kaufen wollen) Es widert sie an! Nicht ganz klar ist mir, was sie in diesem Zusammenhang genau anwidert. Ich vermute aus dem Zusammenhang, dass es nicht die Dinge sind, welche die Knaben gerne kaufen, sondern eher die Tatsache ist, dass auch die Knaben sich Stereotypen unterwerfen.
  1. Unmittelbar nach der Mimik des ‚Angewidert –Seins’ ist interessant wie sie logisch weiterfährt. Sie platziert nämlich dieses „what the boys want to buy“ weit von sich. Dabei entfernt sich ihr Kopf von ihrer Hand. Sie vergrössert somit den Abstand zwischen der Vorstellung und sich. Sie hält also nicht viel davon. Hier ist unwichtig welche Seite sie wählt um die Aussage zu platzieren. Wichtig ist nur das ‚Sich distanzieren’.

Jetzt kommt ein höchst interessanter Moment. Es ist der einzige Augenblick in dem sie sich eine Hand (Die Linke)an den Hals legt. Wichtig ist, dass ihr Arm dabei wie ein Schutzschild bildet. Dann kratzt sie sich auf der rechten Seite am Hals. Ihr Arm bildet durch das kreuzen einen noch stärkeren Schutz vor dem Körper. Was das Kratzen angeht, so ist dies ein sogenanntes Mikrokratzen welches nichts mit der üblichen Reaktion auf ein physisch bedingtes Jucken zu tun hat. Nein,- es zeigt vielmehr, dass in diesem Moment eine Diskrepanz herrscht zwischen dem was sie sagen möchte und meint sagen zu dürfen. Hier die verbale Übersetzung: „Ich möchte Dir sagen was mich stört.“ Dann kratzt sie sich am rechten Kiefer: Das Zubeissen, also die Aggressivität kommt ins Spiel. Rechts, es betrifft den anderen. Es könnte heissen „Du nervst mich mit deinen Fragen“ . Da ihr Gesprächspartner als Erwachsener die Autorität darstellt, würde sie es nie wagen wirklich ‚zuzubeissen’.

  1. In der ‚Schlussszene’ bekräftigt Riley durch Schlagen, diesmal müssen die Kartons herhalten, noch einmal Ihre ganz Wut. Ihre Schultern heben sich in der schon bekannten Geste der Ohnmacht (Ich kann nichts tun!). Dann gehen ihre offenen Hände auseinander. Eine demonstrative Geste der Hilflosigkeit, welche auch die Unschuld des Sprechenden unterstreichen soll. Sie sagt: „Was kann ich dafür?

 

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Dieses Modul ist zum Schnuppern und Entscheiden gedacht.

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