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Körpersprache

13

Dez
2019

Wenn die totale Kontrolle versagt

On 13, Dez 2019 | In Körpersprache | By Juliette

24 Sekunden Körpersprache

China will die Totale Kontrolle.

Zu Gast in der Talk-Sendung von Sandra Maischberger sind unter anderen der chinesische Journalist Chan Gui, der seit 1999 in Deutschland lebt und von sich sagt, dass sein eines Auge deutsch sieht, das andere aber immer noch chinesisch. Er vertritt fast als Einziger die Meinung, dass China überhaupt keine Bedrohung darstellt.

Er zeigt auch nach zwanzig Jahren in Deutschland seine Ursprungskultur, die ein zur Schau stellen seiner Emotionen in strategisch wichtigen Momenten für unklug hält. Er bewegt, ganz im Gegensatz zu seinen westlichen Gesprächspartnern, im ganzen Talk keine Miene. Oder doch? Und kann man wirklich die totale Kontrolle über sich halten? Und was verrät uns trotz Pokerface seine innere Haltung?

Der CDU Aussenpolitiker Norbert Rötggen weist auf das Interesse hin gute Handelsbeziehungen zu China zu wahren, macht aber auf die unterschiedlichen Auffassungen von Demokratie und Menschenrechte aufmerksam.

Die beiden werden im hier gezeigten Videoausschnitt 24 Sekunden unter die körpersprachliche Lupe genommen. (Die weiteren Gäste sind: Frank Thelen, Investor, Katja Dofel, Börsenexpertin, Kai Strittmatter, ehem. China-Korrespondent und Autor des Buches ‘Die Neuerfindung der Diktatur’).

CDU Politiker Norbert Rötggen bezeichnet China als systemischen Rivalen.

00.13 –  Katja Dofel, Börsenexpertin, hakt nach: «Was heisst denn das?»

Unmittelbar reagiert der chinesische Journalist Chan Gui. Sein Kinn schnellt nach oben. Verbal sagt er nichts. Seine Mimik bleibt, wie praktisch das ganze Gespräch hindurch, maskenhaft unbeweglich. Ein angedeutetes Lächeln bleibt. Das plötzlich nach oben gereckte Kinn aber, sagt genug. Es geht dabei immer darum, sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern sich zu behaupten. In diesem Kontext sagt er damit etwa: «Pass auf was Du sagst, Du wirst meine Heimat (und damit mich) nicht klein machen können.»

00.14  – Norbert Rötggen setzt zur Antwort auf die Frage von Frau Dofel an: Das heisst – jetzt ein ‘Rivale’ ist klar, …(Er meint der Begriff ‘Rivale’ sei ja klar)
Synchron zum Wort ‘Rivale’ gehen die beiden Augenbrauen von Chan Gui nach oben ohne dass dabei die Augen mitgehen, wie etwa beim Erstaunen. Alleine mit den Augenbrauen sagt er uns: –«Was soll das?» Er zeigt damit, dass er diesen Begriff verächtlich von sich weist und ihn in Frage stellt.

00.24 – Norbert Rötggen spricht von unserem liberalen westlichen Modell und setzt dieses, welches er symbolisch mit beiden Händen packt, auf seine linke Seite.

00.25 plaziert er das ‘Andere’ (chinesische) Modell auf seine rechte Seite.

Nicht nur zeigt die Szene, dass wir gedachte Dinge in den Raum projizieren, sondern sie zeigt uns auch, dass wir die Dinge nicht zufällig sondern einem für sie zugedachten Platz zuweisen.

Wenn es um Wertesysteme oder Vorlieben geht, so zeigt uns das Platzieren auf unsere linke Seite (um klar zu sein: Die Herzseite), dass die erwähnte Sache (oder Person) uns näher steht, wir uns damit persönlich identifizieren. Das ‘Andere’ platzieren wir auf unsere rechte Seite. Das deutet darauf hin, dass die jetzt erwähnte Sache (oder Person) uns im Vergleich ferner ist oder wir sie weniger schätzen.

00.26 Sandra Maischberger öffnet den Mund, hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit was zu sagen, aber dann auf das ‘Andere’ ziehen sich ihre Lippen nach innen, die Zunge zieht die imaginären Worte nach innen und der Mund verschliesst sich fest. Sie war aufgerichtet, sinkt nun zurück.

00.30 – Norbert Rötggen sagt: «Das ist nicht Russland, nicht Putin, oder sonst wer» Diese ‘Dinge’ werden weder rechts noch links platziert, da er sie in diesem Kontext nicht bewerten will, sondern mit kurzen, angespannten, fast heftigen Bewegungen ‘weggedrückt’. Interessant ist dabei seine Mimik. Seine Augen drückt er kurz fest zu und sein Gesichtsausdruck wird schmerzlich, fast angeekelt.

00.31 Norbert Rötggen platziert diesmal China klar und entschlossen vor sich. Dabei öffnet sich sein Gesicht und seine Mundwinkel zeigen nach oben. Dabei blickt er nicht mehr zu Sandra Maischberger sondern zu Chan Gui. (Er hat Interesse daran ihn nicht zu vergraulen)

00.32 Norbert Rötggen’s rechte Hand bleibt genau an derselben Stelle, nur seine Finger schliessen sich, der Daumen bleibt dabei steil aufgerichtet. Er hält so seine eben gemachte Aussage fest und zwar selbstbewusst wie sein Daumen zeigt. Gleichzeitig ‘redet’ seine linke Hand weiter.

00.32 Sandra Maischbergers linker Zeigefinger hebt sich an und auch der offene Mund zeigt den Wunsch dazu etwas zu sagen. Aber Rötggen ist auf die Gruppe oder vielleicht sogar nur auf Chan Gui gerichtet und bemerkt es nicht im Feuer seiner Rede.

00.34 Rötggen sagt: « Mit der inneren wirtschaftlichen Öffnung…», er positioniert mit seiner linken Hand aufzählend Fakten, bis er vor dem  Wort ‘Öffnung’ kurz zögert, seinen Kopf hin und her bewegt und präzise auf das Wort hin seine Hand hebt und mit der Innenfläche zum Gegenüber gerichtet den Begriff von sich schiebt, also relativiert.

bis 00.37

 

Link zum Ganzen Video: https://bit.ly/2YHCMTp

Im Originalvideo von über einer Stunde ist der gezeigte Ausschnitt im Zeitfenster von 00.26.18 bis 00.26.42.

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